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08.02.2016, 11:18 Uhr | MAZ - Prignitz-Kurier 8.2.2016 / Michael Beeskow
Glöwen tanzt für friedliches Miteinander
Einer Kundgebung der rechtsextremen Freien Kräfte setzen die Einwohner ein Bürgerfrühstück und ein Fest entgegen
Glöwen. „Denen geht es ganz bestimmt nicht um unsere Kinder.“ Christel Rost leitete viele Jahre die Schule in Glöwen und ihr ist es mit zu verdanken, dass dieses Haus für Kinder noch besteht. Obwohl sie nicht mehr „aktiv“ ist, kam sie am Samstag zum Bürgerfrühstück der Gemeinde Plattenburg, zu dem alle
Bürger eingeladen waren, während sich nur wenige Meter entfernt eine rechtsgerichtete Kundgebung formierte, zu der die sogenannten Freien Kräfte Prignitz und Neuruppin nach Glöwen aufgerufen hatten. Ihnen gegenüber bezog eine Gegendemo Stellung, die der Landtagsabgeordnete Thomas
Domres (Linke) angemeldet hatte. Mit „denen“ meinte die frühere Schulleiterin die Rechtsextremen, die Missbrauchsvorwürfe gegen einen 16-jährigen Afghanen zum Anlass nahm, gegen „die ekelhaften Zustände in diesem Land“, womit insbesondere die Flüchtlingspolitik gemeint war, Front zu machen. „Uns sind die Flüchtlinge herzlich willkommen“, erklärte Christel Rost. „Ich bin froh, wie das mit den Asylbewerbern hier in Glöwen läuft. Wir sind nicht rechts.“
Plattenburgs Bürgermeisterin Anja Kramer zeigte sich überrascht und erfreut, wie viele Gäste sie beim Bürgerfrühstück begrüßen konnte. Die Gemeinde wollte mit dieser Form auf die rechtsgerichtete Kundgebung reagieren, aber auch auf die Missbrauchsvorwürfe. „Wir müssen die Ängste unserer Bürger ernst nehmen“, sagte sie. In Glöwen leben mehr als 100 Flüchtlinge. Sie freute sich, dass auch viele Flüchtlinge zum Bürgerfrühstück gekommen waren. „Sie sind Bürger unserer Gemeinde.
Viele Menschen in der Gemeinde würden sich für sie engagieren, ihnen helfen. „Es besteht ein gutes Miteinander. Das dürfen wir uns nicht kaputt machen lassen.“ Der Zuspruch, den die Flüchtlinge erfahren, wurde auf verschiedenen
selbst gefertigten Plakaten zum Ausdruck gebracht. Gemeindevertreter Rainer Schneewolf hatte sogar die Nationalhymne umgedichtet: „Einigkeit und Recht und Freiheit – ob von hier, ob Gast im Land – danach lasst uns alle streben
– brüderlich mit Herz und Verstand.“ Von einem guten Miteinander berichtete auch Christina Tast vom Verein Festland in Klein Leppin. Fünf Flüchtlinge aus Syrien helfen derzeit bei der Vorbereitung für die nächste Aufführung von „Dorf
macht Oper“. Sie fertigen Requisiten an. Als die von Thomas Domres angemeldete Gegen-Demo zur rechtsextremen Kundgebung begann, schlossen sich ihr viele Teilnehmer des Bürgerfrühstücks
an, auch Bürgermeisterin Anja Kramer, die die Teilnehmer begrüßte. Die Gegen-Demo fand eine Vielzahl von Unterstützern aus anderen Parteien. Der
Landtagsabgeordnete Gordon Hoffmann (CDU) empörte sich über die Rechten. „Gerade die mit dem längsten Vorstrafenregister spielen jetzt als Verteidiger der Demokratie auf.“ Zur rechtsgerichteten Kundgebung der
Freien Kräfte sagte er: „Das sind Vögel, die wir hier nicht haben wollen.“
Hoffmanns Landtagskollege Holger Rupprecht (SPD) äußerte sich anerkennend über die vielen Teilnehmer beim Bürgerfrühstück und bei der
Gegen-Demo. „Ich glaube, mancher hat auch etwas Angst überwunden, um hier gegen die Rechten aufzutreten.“ Die Freien Kräfte waren in Glöwen mit rund 100 Personen recht stark vertreten, schätzten Kenner der rechten Szene ein. „Mehr als 80 bis 100 Leute haben die bisher nicht zusammengebracht.“ Auch wenn die große Mehrzahl angereist war, so befanden sich doch auch einige Glöwener bei den Rechtsextremen. Nicht nur Vertreter der Freien Kräfte, sondern auch bekannte NPD-Mitglieder ergriffen das Wort. Während dessen entwickelte sich die Gegen-Demo, an der schätzungsweise 150 Menschen teilnahmen, zu einem kleinen Fest. Flüchtlinge und Nicht-
Flüchtlinge begannen gemeinsam zu tanzen. Ein Zeichen für ein friedliches Zusammenleben. Die Polizei sicherte beide Kundgebungen ab. Wie Einsatzleiter Bodo Zackert von der Polizeiinspektion Prignitz berichtete, wurden
rund 50 Beamte nach Glöwen an diesem Samstagvormittag beordert. Zwischenfälle wurden nicht gemeldet.