Pressearchiv
04.06.2015, 08:41 Uhr | MAZ - Prignitz-Kurier 4.6.2015 / Michael Beeskow
Eltern fragen: Geht es noch um Bildung?
Schulrat begründet Ablehnung einer dritten Klasse am Arnold-Gymnasium
Perleberg – Enttäuscht wurden am Dienstagabend nicht nur die Hoffnungen
auf eine dritte siebente Klasse am Perleberger Gymnasium, ernüchtert wurden auch alle Schüler, Eltern und Lehrer, denen Bildung am Herzen liegt.
Auf der Tagesordnung des Kultur- und Schulausschusses des Landkreises stand das sogenannte Ü-7-Verfahren: die Einrichtung siebenter Klassen an den Oberschulen und Gymnasien in der Prignitz. Der Ausschussvorsitzende
Gordon Hoffmann (CDU) hatte dazu Karl-Heinz Kowalzik eingeladen. Er leitet jene Behörde, die über die Genehmigungen der siebenten Klassen entscheidet: die Regionalstelle des Landesamtes für Schule und Lehrerbildung in Neuruppin, also im Prinzip das frühere Staatliche Schulamt.
Der Schulrat lieferte sehr anschaulich die von Perlebergern geforderte
Begründung, warum trotz ausreichender Anmeldungen für drei siebente Klassen nur zwei genehmigt werden. Das „Schüleraufkommen“, die Zahl der Schulen und die „Bewirtschaftung mit Lehrerstellen“ werden in ein rechnergestütztes Schulorganisationsprogramm eingegeben. „Wir geben
uns richtig Mühe bei der Berechnung, um im Stellenrahmen zu bleiben“, so Karl-Heinz Kowalzik. Wie er deutlich machte, hätte es auch das Pritzwalker Gymnasium treffen können. Wie am Perleberger Gymnasium haben sich dort
65 Schüler angemeldet. Aber weil das Gymnasium in Wittstock bei nur zwei Klassen in Pritzwalk die überzähligen Schüler nicht hätte aufnehmen können, schied diese Möglichkeit aus. Das Wittenberger Gymnasium kann hingegen fünf Schüler aus Perleberg aufnehmen, die bei der Bildung von zwei Klassen übrig bleiben. Die Behörde ist bereit, von der Richtfrequenz
von 27 Schülern pro Klasse abzuweichen und will 30 Schüler zulassen. Aufgrund der „Frequenzüberschreitung“ erhält das Gymnasium „zusätzliche Teilungsstunden“, sodass den Schülern in Kursen von jeweils 20 drei Sprachen angeboten werden können. Veit Goralczyk-Pehl, der Leiter des Perleberger Gymnasiums, kritisierte, dass durch die hohe Schülerzahl in den Klassen eine ungleiche Situation gegenüber anderen Schulen geschaffen werde. „So ein armes Land sind wir nicht, um nicht noch eine Klasse finanzieren zu können.“ Hartmut Schneider (SPD) warf dem Schulrat vor: „Sie
verstecken sich hinter Zahlen.“ Die Bürgermeisterin Annett Jura sprach sich dafür aus, gemeinsam noch einen Anlauf zu unternehmen, um die fehlenden 1,5 Lehrerstellen genehmigt zu bekommen. Karl-Heinz Kowalzik entgegnete,
das Landesamt habe auf die Einhaltung von Recht und Gesetz zu achten, also auf die Einhaltung des Haushaltsgesetzes.
Gordon Hoffmann hielt ihm entgegen, der Landeshaushalt sei noch gar nicht verabschiedet. „Ihnen muss es doch um die Qualität in der pädagogischen Arbeit gehen und nicht nur um die Einhaltung des Haushalts.“ Zugleich
räumte er ein, der Regionalstellenleiter befinde sich in einer schwierigen
Situation, da er Vorgaben umzusetzen habe. Dennoch forderte er ihn auf, im Bildungsministerium für die Interessen des Gymnasiums einzutreten. Karl-Heinz Kowalzik meinte, er könne nicht Front gegen das Ministerium machen, er könne dort nur von der Diskussion um die dritte Klasse in Perleberg „Mitteilung“
machen. Fassungslos angesichts der mathematischen Begründung fragten
sich Besucher: Geht es noch um Bildung oder sitzen wir hier im Finanzamt? Torsten Diehn (SPD) stellte konsterniert fest: „Wie kann es dazu kommen, dass es nicht mehr um Menschen geht?“
CDU Deutschlands CDU-Mitgliedernetz Online spenden Deutscher Bundestag
Angela Merkel CDU.TV Newsletter CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag
Hermann Gröhe Angela Merkel bei Facebook Hermann Gröhe bei Facebook
© CDU - Kreisverband Prignitz  | Startseite | Impressum | Kontakt | Inhaltsverzeichnis | Realisation: Sharkness Media | 0.20 sec. | 16511 Besucher