Pressearchiv
10.06.2015, 12:09 Uhr | Der Prignitzer 10.6.2015 / Lars Reinhold
Von Zwängen und Verschleiß im System
Die Prignitzer Landtagsabgeordneten zur Zweizügigkeit am Perleberger Gymnasium Perleberg

63 Erstanmeldungen liegen für das nächste Schuljahr am Perleberger Gymnasium vor. Das Schulamt plant deshalb, nur zwei siebente Klassen einzurichten und mehrere Schüler an das Wittenberger Gymnasium zu verweisen. Es drohen lange Fahrwege und in beiden Städten Klassen an der Kapazitätsgrenze. Der „Prignitzer“ sprach mit den Landtagsabgeordneten Holger Rupprecht (SPD), Thomas Domres (Linke) und Gordon Hoffmann (CDU) über die Situation.
 

Verständnis für den Ärger in den Familien
 

„Das Wichtigste ist aus meiner Sicht, festzuhalten, dass das Perleberger Gymnasium nicht in seinem Bestand gefährdet ist, weil es ein Jahr lang zweizügig läuft“, versucht Holger Rupprecht die Wogen zu glätten. „Natürlich verstehe ich den Ärger der Eltern bezüglich der Fahrwege und der größeren Klassen. Allerdings muss man auch den Zwang sehen, unter dem das Schulamt steht. Karl-Heinz Kowalzik hat ein Budget, mit dem muss er das Schuljahr organisieren. Sein Spielraum ist klein.“

Bildungsminister Günter Baaske müsse mit dem Budget, das die Abgeordneten mit dem Haushaltsplan seinem Ressort zugestehen, auskommen. Deshalb würden Anfragen bezüglich einer Ausnahmeregelung für Perleberg auch nichts bringen. „Wenn Baaske einmal einknickt, hat er tags darauf die nächsten Forderungen von anderen Gymnasien auf dem Tisch.“

Auch das Perleberger Gymnasium selbst sieht Rupprecht in der Verantwortung. „Die Schulleitung muss sich fragen, warum die Zahl der Erstanmeldungen so gering ist. Warum wählen manche Familien aus dem Raum Perleberg von vornherein das Wittenberger Gymnasium?“

28 bis 30 Schüler pro Klasse seien freilich kein Idealzustand. „Aber am Gymnasium ist das machbar, das sage ich mit 13 Jahren Erfahrung als Schulleiter.“ Nun gelte es, mit dem Kompromiss zu leben und beispielsweise das Angebot, über eine dritte Fremdsprache zusätzliche Lehrerstunden zu bekommen, zu nutzen.

Schließlich weist Rupprecht auf die Ressourcenprobleme hin. „Nicht nur in Brandenburg fehlen Lehrer, auch andere Länder finden nicht genügend Pädagogen.“ Zudem müssten die Schulämter mit hohem Krankenstand und der Überalterung des Lehrkörpers klar kommen.
 

60 Millionen zusätzlich für die Bildung
 

Die von Rupprecht angesprochene Situation sieht Gordon Hoffmann als Folge verfehlter Bildungspolitik der Regierung. „Das ganze System wurde in den vergangenen Jahren auf Verschleiß gefahren, und wir haben zusätzlich zu Problemen wie in Perleberg so viel Ausfall wie noch nie zuvor.“ Angesichts einer Rücklage von mehr als einer Milliarde Euro und prognostizierten Steuermehreinnahmen seien diese Zustände nicht tragbar.

„Wir haben uns in Potsdam für die Freigabe von 60 Millionen Euro aus Personalverstärkungsmitteln eingesetzt“, sagt Hoffmann. „Damit könnten 700 zusätzliche Lehrer eingestellt werden. Es soll ein beherzter Schritt sein, nicht nur ein symbolischer.“

In der Haushaltsdebatte, die in dieser Woche auf die Zielgerade geht, wolle man sich noch einmal dafür stark machen, mehr in die Bildung zu investieren. „Man kann nicht immer nur davon reden, den ländlichen Raum mit seinen strukturellen Problemen besonders zu unterstützen und dann alles gleich bewerten. Ausnahmeregelungen für Schülerzahlen und Klassengrenzen müssen her.“ 30 Schüler pro Klasse seien nicht annehmbar, eine individuelle Förderung mehr möglich, so Hoffmann.
 

Hoffnung auf Erfolg laufender Gespräche
 

Die Forderungen der CDU hält Thomas Domres für klassische Oppositionspolitik. „Die Vorschläge zur Deckung der Mehrausgaben waren aus unserer Sicht nicht seriös.“ Zudem brauche sich die rot-rote Regierung angesichts der Investitionen, die bisher in die Bildung geflossen seien, nicht zu verstecken. „Alleine in den vergangenen zwei Jahren haben wir 10 Millionen Euro für die Vertretungsreserve ausgegeben, allerdings frage auch ich mich manchmal, wann sich die Wirkung einstellt.“

Domres selbst hält die Forderung nach drei siebenten Klassen in Perleberg für nachvollziehbar und richtig. „Ich habe selbst Gespräche mit Schulamt und Minister geführt. Ich hoffe, dass das Engagement der Eltern und der Kommunalpolitik hier noch etwas bewirken kann.“

CDU Deutschlands CDU-Mitgliedernetz Online spenden Deutscher Bundestag
Angela Merkel CDU.TV Newsletter CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag
Hermann Gröhe Angela Merkel bei Facebook Hermann Gröhe bei Facebook
© CDU - Kreisverband Prignitz  | Startseite | Impressum | Kontakt | Inhaltsverzeichnis | Realisation: Sharkness Media | 0.26 sec. | 16532 Besucher