Presse
26.09.2017, 11:36 Uhr | Der Prignitzer 26.9.2017 / Hanno Taufenbach, Barbara Haak
Drei Prignitzer im Bundestag
Parteien und Wirtschaft kommentieren das Wahlergebnis / Etablierte Parteien nehmen AfD-Abschneiden als Mahnung
PRIGNITZ Auch in den kommenden vier Jahren wird die Prignitz mit drei Politikern im Bundestag vertreten sein. Neben Sebastian Steineke (CDU), der das Direktmandat gewann, schafften Dagmar Ziegler (SPD) und Kirsten Tackmann (Linke) über die Zweitstimmen den erneuten Einzug ins Parlament.
„Fleiß und Engagement werden belohnt“, kommentierte der CDU-Kreisvorsitzende Gordon Hoffmann Steinekes Sieg. Er habe im Vergleich zu 2013 sogar noch Stimmen dazu gewonnen. Das AfD-Ergebnis hingegen sei besorgniserregend. „Es ist höchste Zeit, auch in Brandenburg stärker darauf zu achten, was die Menschen wollen“, so Hoffmann. Je strukturschwacher die Region, desto besser das Ergebnis der AfD. Die Wahl zeige einmal mehr, dass die Kreisreform mit noch größeren Strukturen falsch sei. Den Wiedereinzug von Dagmar Ziegler bezeichnet SPD-Kreischef Harald Pohle
als „hervorragend“. Damit bleibe der direkte Draht in den Bundestag bestehen.
Das sei wichtig für anstehende Aufgaben, wie den Weiterbau der A 14. Das AfD-Ergebnis sei für alle demokratischen Parteien eine Niederlage. „Wir alle haben es nicht geschafft, die Wähler zu erreichen. Daran müssen wir arbeiten“, so Pohle.
Der Kreisvorsitzende Die Linke Prignitz, Thomas Domres, sagt: „Ich bin der
Überzeugung, unsere Kandidatin Kirsten Tackmann hätte ein besseres Ergebnis verdient. Und das hätte ich ihr auch gewünscht.“ Als Grund führt der Prignitzer Linken-Chef die intensive Arbeit von Tackmann an. „Sie war in den
letzten Jahren nicht nur viel in ihrem Wahlkreis unterwegs. Sie kenn die Sorgen und Probleme und hat sie in den Bundestag geholt.“ Sie sei immer nah bei den Bürgern, verliere nie den Kontakt. Aus dem Abschneiden seiner
Partei bundesweit resultiere laut Domres die Herausforderung, „unsere Regierungsarbeit im Land zu analysieren ebenso wie die Oppositionsarbeit im
Bund“. „Es steht die Frage: Warum schaffen wir es nicht ausreichend, die Menschen von unseren Politikangeboten zu überzeugen? Warum fühlen sie sich nicht eingeladen, bei uns mitzumachen?“ Mit dem AfD-Abscheiden sieht der Prignitzer Linken-Chef alle „Parteien in der Pflicht, zu überprüfen, was man vielleicht in der Politikvermittlung und -gestaltung anders machen muss“.
Der FDP-Kreisvorsitzende Michael Hintz sieht seine Partei im Aufwind und will
diesen für die 2019 anstehenden Kommunal- und Landtagswahlen nutzen.
Sorge bereitet ihm das Abschneiden der AfD, insbesondere in der Region: „Die 24,3 Prozent im Jahnschulviertel Wittenberge sollten und müssen wir in der Stadt thematisieren, hier haben wir einen echten sozialen Brennpunkt“, meint Hintz. Bärbel Treutler von den Grünen warnt vor einer Hysterie angesichts des AfD-Ergebnisses. „Politisch sehe ich sie in der Region nicht als Gefahr, sie bringt sich inhaltlich nicht ein, auch nicht Thomas Schlaffke als Kreistagsabgeordneter“, sagte sie. Über das Abschneiden ihrer Partei sei sie
froh und zwiegespalten, was eine mögliche Koalition betrifft: „Wir sollten nicht sofort zuschnappen.“ Dass die Prignitz erneut mit drei Abgeordneten im
Bundestag vertreten ist, seit gut, so Lutz Lange als Vorsitzender der Wirtschaftsinitiative Westprignitz. In der Region gebe es keinen wirtschaftlichen Stillstand, das zeigen Ansiedlungen internationaler Konzerne. Umso mehr erstaunt Lange persönlich das AfD-Ergebnis: „Ich bin erschrocken, wie man mit Polemik und der Diskussion über Ausländer so ein Ergebnis erzielen kann“, sagte er. Der Region fehle ein Stück Toleranz und
manche Menschen sollten sich erinnern, wie die Prignitz und Wittenberge 1990 aussahen und welche Entwicklung seitdem stattgefunden habe.
Hanno Taufenbach, Barbara Haak
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